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NotizenPunkt: Notizen Notizen

Statt eines Blogs, für das wir nicht ausreichend und regelmäßig genug Zeit haben, finden Sie hier Notizen zu Themen, die uns beschäftigen:


[Web-] Design

ist eine Variante des Screen-Design: Gestaltung für die Präsentation am Bildschirm mithin.
Für gutes Webdesign gilt, was für gutes Design allgemein gilt: Form und Inhalt müssen ein freundliches Verhältnis miteinander eingehen. Wem sag ich da was neues ...

Das berühmte "form follows function" - die Form folgt der Funktion - ist vielleicht etwas diktatorisch, Tatsache aber ist, daß eine Form, die eine Funktion behindert, niemals gutes Design ergeben kann.
Für das Webdesign muß der 'goldene Schnitt' also nicht neu erfunden werden. Er ist im Screen-Design nur etwas schwieriger zu realisieren ... das liegt am Trägermedium, dem Monitor (weiter unten mehr dazu).

Ein Ausflug in die Geschichte

Aus den Printmedien - namentlich aus dem Buchdruck - besitzen wir eine über 500 Jahre geschulte Wahrnehmung der Informations- und Unterhaltungsvermittlung. Diese Prägung liefert die Maßstäbe - auch für unsere Wahrnehmung des Screendesigns - bis sich das neue Medium etabliert hat, sich die Sehgewohnheiten an das neue Medium angepaßt haben und sich für medienspezifische Experimente und Möglichkeiten die öffnen.
Erst dann bilden sich ggf. auch spezielle ästhetische Kriterien für das neue Medium heraus.

Mit Aufkommen des Films ist ähnliches geschehen: Als die Brüder Lumière im Dezember 1895 in der ersten öffentlichen Filmvorführung den einminütigen Film 'L’arrivée d’un Train en Gare de La Ciotat' zeigten, rannten Zuschauer in Panik aus dem Raum: sie hatten Angst, von der heranstampfenden Lokomotive überfahren zu werden. Heute lächeln wir darüber: uns treibt ja nicht mal mehr eine Axt, die ansetzt, einen / unseren Schädel zu spalten aus dem Kinosaal.

Neue Medien benötigen also auch neue Wahrnehmungsmuster, die erst einmal eingeübt, geprüft, gewogen und immer weiterentwickelt werden müssen. Erst in derFolgezeit beginnt sich auch ein Gespür / ein Urteilsmuster für die medienspezifische Schönheit / Häßlichkeit herauszubilden.

Noch älter als die Print / Leseerfahrung ist die die visuelle Wahrnehmung von Farben und Formen. Sie ist zu Teilen vom Kulturkreis abhängig, in den wir hineingeboren sind.
Der Kreis gilt in allen Kulturkreisen als Zeichen des 'in sich Geschlossenen', Vollkommenen, Ewigen.
Aber eine Linie, die links unten ansetzt und nah rechts oben strebt, kann je nach Kulturkreis diametral entgegengesetztes bedeuten ... mehr dazu auf dem Zettel "Logo" !

Web-Design in der Praxis

Die technischen Gegebenheiten, die das Webdesign buchstäblich erst vor den Augen der einzelnen Betrachter generieren, sind die eigentliche Herausforderung für unsereins!

Was Screen- und Webdesign gemeinsam haben und worin sie sich unterscheiden UND was sie beide vom tradierten Printdesign unterscheidet, habe ich hier mal schematisch dargestellt:

Medium: Screendesign
(Publikation
auf lokaler
Plattform)
Webdesign
(Publikation im
WWW + lokaler Plattform]
Print
Trägermedium Monitore
Eigenschaften: individuell verschieden, unkontrollierbar
...
Eigenschaften: Produzent
bestimmt sie und sie sind
kontrollierbar
Dimensionen Bildschirmdiagonalen:
15-21 Zoll und höher (Breitwand + Großbild-Bildschirm) Bildschirmauflösungen:
800 x 600 bis 2048 x 1536 und höher
Durchschnitt z.Zt.: 1024 x768
Beliebig + kontrollierbar durch Produzenten: DIN oder frei gewählt
Farben 8- 32bits
Farbmodus: RGB
DPI: 72 - 96
8- 32bits oder Dateiformatabhängig: z.B. 256 Farben für ein GIF
Farbmodus: RGB
DPI: 72 - 96
Farbmodi: CMYK oder RGB
Unbegrenzte Farben, lediglich begrenzt durch das Trägermaterial (Papierart z.B.) und Kapazitäten der Druckmaschinen
DPI: frei - i.d.R ab 300
Schriften Unbegrenzt, wenn in die Publikation eingebettet, sonst wie im Webdesign Begrenzt auf die Schriften, die auf allen / den meisten mit dem WWW verbundenen Rechnern installiert sind.
Etwa 9 oder 10.
Unbegrenzt
Auflage beliebig beliebig / unkontrollierbar exakt

Die Beschränkungen im Sreen- und Webdesign sind beträchtlich, wie Sie sehen! Wer kann denn mit 9 Schriftarten und 256 Farben Schönes zaubern?

In meinen Seminaren zum Webdesign muß ich regelmäßig therapeutische Qualitäten entwickeln, um frustrierte - weil ambitionierte - PrintkollegInnen den Tränen nahe sind ob dieser Voraussetzungen. Ich frage sie dann immer nach Internetauftritten, die sie selbst gefunden und für sehr schön und gelungen halten ... aha, es geht also doch ... auch mit 256 Farben im Härtefall, dem Verdikt der Barrierefreiheit und Accessibility sowie Browserkrieg und total schräg konfigurierten Browsern ...

Es gibt natürlich Internetauftritte, die es unter all diesen gräßlichen Umständen mit ihren Printgeschwistern ohne Probleme aufnehmen können - wie geht das?!

Es ist wohl wie immer dasselbe am Werk: das menschliche Vermögen, hübsche und üppige Schnörkel, die wir besonders gerne um geliebte Dinge herumlegen, soweit einzudampfen, bis das Wesentliche unserer Begeisterung übrigbleibt und ... alle schweigend staunen ...

Wenn Sie möchten, lesen Sie, warum ich die 3 folgenden Websites für bemerkenswert gut gelungen halte:

staab-architekten.com Klick öffnet ein neues Browserfenster| ..:: mehr [kütt noch]
project-euh.com Klick öffnet ein neues Browserfenster| ..:: mehr
thbb.ch/index.htm Klick öffnet ein neues Browserfenster| ..:: mehr [kütt noch]

Was also macht gutes Webdesign aus?

Das, was gutes Web-Design auszeichnet:

  • augenblickliche Freude oder neugieriges Erstaunen bei der Ansicht einer Website
  • die augenblicklich entstehende Lust, das gute Stück auszuprobieren und
  • nach der ersten Erprobung gerne noch mal wiederzukommen

Das, was gute Web-Designer auszeichnet:

  1. Je geschulter und kritischer der Blick der Web-Designer auf alles um sie herum ist, um so besser gelingen Ihre Entwürfe
  2. Je freier die WebdesignerInnen gestalten können, um so besser! = Je nüchterner die Auftraggeber ihre eigenen ästhetischen Kompetenzen einschätzen, um so besser für Ihre Internetpräsenz

 

Literatur:
David Sigel: "Web Site Design - Killer Web Sites der 3. Generation" 1996 - Markt&Technik Buch- und Software-Verlag, München - ISBN 3-8272-5184-2 (vergriffen)
Radtke, Pisani, Wolters: "Handbuch Visuelle Mediengestaltung" - Cornelsen Verlag, Berlin - ISBN 3-464-48977-9

[Claudia]
Stand: 09.01.2008..:: ^ ::..




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Stand: 16.09.2009